LEADERSHIP • 12. Jan 2026 • 7 Min Lesezeit

Die Beförderungs-Falle

Warum gute Entwickler als Lead plötzlich scheitern – und wie du sauber umschaltest.

Grafik: Ein Entwickler, der zwischen Code-Editor und Management-Aufgaben steht

Situation (Symptom)

Du bist Lead geworden, aber dein Alltag fühlt sich an wie „Entwickler mit Extra-Stress":

Ein klassisches Beispiel: Es ist Dienstagvormittag. Du wolltest eigentlich das kritische Feature fertigstellen. Stattdessen hast du drei Slack-DMs von Junioren, die nicht weiterkommen, der Product Owner fragt nach dem Status für das Release, und du sitzt in einem Meeting über Budgetplanung, während du im Kopf den Code debuggst. Am Ende des Tages hast du keine Zeile Code geschrieben, fühlst dich aber komplett ausgelaugt.

Du bist in jedem Thema drin, Entscheidungen landen bei dir, das Team wirkt gleichzeitig autonom und blockiert – und sobald du „mehr Struktur" willst, kommt Reaktanz. Es wird diskutiert, relativiert oder ausgesessen. Du merkst: Kontrolle macht alles langsamer. Aber ohne Kontrolle läuft's auch nicht.

Was wirklich dahinter steckt (Mechanik)

  • Du hast die Rolle gewechselt, aber dein Betriebssystem ist noch „Experte": Probleme lösen statt Rahmen setzen.
  • Autonome Teams brauchen weniger Anleitung, aber mehr Zielbild, Erwartungen und Grenzen.
  • Es fehlen explizite Entscheidungsräume: Wer entscheidet was – und wann?
  • Unklare Erwartungen erzeugen „stille Standards" → Enttäuschung, Konflikte, Micromanagement.

Kosten (Impact)

  • Du wirst zum Engpass (und verbrennst).
  • Delivery wird unzuverlässig: viel Bewegung, wenig Fortschritt.
  • Verantwortung diffundiert: „Wir haben's versucht" statt „Wir liefern".
[ WERKZEUGE ]

2 Tools für Montag

1

Das 10-Minuten-1:1 Erwartungen explizit

Ziel: Unausgesprochene Standards sichtbar machen.

Ablauf (10 Minuten):

    • „Wenn du diese Woche nur eine Sache richtig machen würdest – was wäre das?"
    • „Woran erkennst du konkret, dass es gut ist?" (Beobachtbar, nicht „sauber/optimal")
    • „Was brauchst du von mir – und was brauchst du nicht?"
    • Abschluss: „Dann ist die Erwartung: X bis Y, mit Definition Z."
2

Entscheidungsräume in 15 Minuten klären

Ziel: Reibung rausnehmen, Verantwortung reinholen.

Ablauf (Team/Lead, 15 Minuten):

Liste 5 wiederkehrende Entscheidungen (z. B. Releases, Architektur, Prioritäten, Bugs). Pro Entscheidung festhalten:

  • Owner (entscheidet)
  • Input (wer wird gehört)
  • Constraint (Budget/Time/Quality)
  • Fallback (wenn blockiert: wer entscheidet final?)

Ergebnis als kurze Notiz in euer Team-Wiki.

Training, das wirklich wirkt.

Kein Bullshit-Bingo, keine Motivations-Folien. Nur Methoden, die im Tech-Alltag bestehen.